Village of the Damned (John Carpenter, USA 1995)

John Carpenter hatte seinen Zenit bereits überschritten als er sich zum zweiten Mal an dem Remake eines Klassikers versuchte. Nachdem ihm seine Version von „ The Thing“ Weltruhm bescherte, konnte er mit seiner Neuinterpretation von Wolf Rillas „Village of the Damned“ (1960) niemanden so recht beeindrucken. – Mit diesem Hintergrundwissen habe ich mir Carpenters Film (einer der wenigen, die ich bisher nicht kannte) angesehen und ich muss leider eingestehen: Viel zur Ehrenrettung dieses Werks fällt mir jetzt auch nicht ein.

So geht es los: Die Bewohner des Küstendorfs Midwich bereiten sich gerade auf ein Dorffest vor, als um Punkt 10 Uhr alle Menschen und Tiere für exakt 6 Stunden in Ohnmacht fallen. Weder der Dorfarzt Alan Chaffee (Christopher Reeves), noch die Wissenschaftlerin Dr. Susan Verner (Kirstie Alley) von der National Science Foundation haben dafür eine Erklärung. Und nun folgt eine Reihe unheimlicher Ereignisse…

Ich kenne die Romanvorlage „The Midwich Cuckoos“ von John Wyndham nicht. Die Idee, dass nach einer Massen-Bewusstlosigkeit alle Frauen des Dorfs schwanger sind und bald darauf zahlreiche Kinder von ähnlichem Aussehen geboren werden, die sich im Verlauf der Handlung als äußerst bösartig herausstellen, finde ich jedenfalls nicht übel. Was mir vor allem daran gefällt, ist, dass die Frauen die Kinder bekommen und großziehen. Der genrekundige Zuschauer erkennt natürlich die Gefahr, und auch die Frauen scheinen zumindest eine Ahnung zu haben, doch die Kinder sind in ihnen gewachsen, sie haben sie auf die Welt gebracht und können nun nicht anders, als sie zu lieben. Die Mütter sind auf ihre „Kuckuckskinder“ geprägt. Aber das ist weder Carpenters noch die Idee des Drehbuchautoren David Himmelstein gewesen, und deswegen kann ich den Film schlecht hierfür loben. Loben kann ich ihn allerdings dafür, wie er das alles in Szene setzt. Das macht er ordentlich, routiniert, doch – das war’s auch schon mit dem Lob – leider auch konventionell und gemessen daran, was er eigentlich als Regisseur drauf hat, man muss es sagen: einfallslos. Ich bin beileibe kein Carpenter-Purist, der nur seine klaustrophobischen, von prägnantem Score untermalten Filme mag. Und ich rechne ihm auch nicht jeden peinlichen Macho-Moment über alle Maßen kritisch an. Aber „Village of the Damned“ hat bei mir trotzdem nicht gezündet. Wer weiß, hätte ich ihn als Kind gesehen, vielleicht hätte er sich auf einen Platz in meinem Herzen erobert. Als erwachsenen, filmerfahrener Zuschauer, sehe ich da nichts, das ich anderswo nicht schon ähnlich gut oder sogar besser erlebt habe.

Aber vielleicht muss ich „Village of the Damned“ auch noch nicht gleich aufgeben. Einen Film zum ersten Mal sehen, ist ja immer einen wenig wie ein Samenkorn zu pflanzen. Trotzdem interessieren mich mehr die Früchte. Deswegen warte ich nun ein paar Jahre und gebe dem Film dann noch eine Chance. Mal sehen, was bis dahin aus ihm geworden ist.

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