The Batman (Matt Reeves, USA 2022)

Ist es verboten, zu bloggen, wenn man aufgehört hat, zu bloggen? Naja, wenigstens passt es einigermaßen zum Thema, denn „Superheld“ Batman macht ja auch immer mal wieder Sachen, die so ganz erlaubt auch in Gotham nicht sind. Gib mir fünf, Batman! 

Gotham ist ein Moloch. Daran konnte bisher auch der Einsatz des maskierten Helden, der nachts im Fledermauskostüm auf Verbrecherjagd geht, nichts ändern. Erst als es Batman (Robert Pattinson) mit einem Killer zu tun bekommt, der es auf die verbrecherische Elite von Gotham abgesehen hat und der Rätsel am Tatort zurück lässt, kommt Bewegung in die Sache. Was hat der Killer, der sich Riddler (Paul Dano) nennt vor? Unterstützung bekommt Batman von Lieutenant Gordon (Jeffrey Wright) und der zwielichtigen Nachtclubkellnerin und Diebin Selina Kyle (Zoe Kravitz).   

Soweit, so egal ist die Geschichte auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten hat sie es in sich.

Wie allgemein bekannt, habe ich ein Faible für Superhelden-Filme. Dabei hat sich in den letzten Jahren herauskristallisiert, dass ich zusätzlich noch eine spezielle Schwäche für Batman habe. Das war nicht immer so, zumindest nicht in meinen Jugendjahren, wo ich Superhelden eher durch das Medium „Comic“ zu mir genommen habe; und auch später, als ich dann dem Film verfallen bin, war es zuerst Spider-Man – Sam Raimis „Spider-Man“ – der meine Heldenliebe in diesem Medium hat neu aufflammen lassen. Batman kam dann erst vor ein paar Jahren, vor allem durch die Bücher von Jeph Loeb & Tim Sale, wieder in meinen Fokus.

Warum überhaupt Superhelden, Faible woher kommst du? Der Gedanke, das man selbst gerne einer wäre, liegt natürlich nahe. Später, als ich mich im Studium mit dem Thema „Wünsche“ befasst habe, hatte ich die Vermutung das vielen fantastischen Filmen, dem Superhelden-Genre aber auf alle Fälle, der menschliche Wunsch danach, sich zu verwandeln, zu Grunde liegen könnte. Denn wie sollte der massenmordende Mensch, der für den Tod so vieler Lebewesen – ganzer Arten! –  verantwortlich ist, eine Zukunft auf dieser oder anderen Welten haben, wenn er sich nicht grundlegend ändert? Er muss sich ändern, er muss ich wandeln und diesen Wandel, diese Transformation, erproben wir in Geschichten. Das Motiv des Wunsches zu etwas anderem zu werden, etwas, das vielleicht besser, hoffentlich zumindest weniger schlimm wäre, plus das klassische Heldenmotiv, das uns immer schon mit einem warmen Gefühl erfüllt hat – schließlich waren die Zeiten nie gut genug, als das wir nicht dringend Heldinnen und Helden gebraucht hätten – ist meiner Meinung nach ein mehr oder weniger versteckter, aber doch integraler Bestandteil von allen Superhelden-Filmen. Batman war vielleicht schon immer, oder ist zumindest mittlerweile der Held, in dem diese Motive zwar nicht unbedingt am offensichtlichsten zu Tage treten, aber in dem die verschiedenen Facetten des Heldentums und des von mir postulierten menschlichen Wunsches nach Wandel am kritischen reflektiert werden.

Denn hier streben die Figuren nicht nur über sich hinauszuwachsen – im Guten, wie im Schlechten –, sondern sie sind gleichzeitig in ihrer eigen Geschichte verhaftet, so dass alle Transformation immer nur Variationen onto- oder phylogenetischer Traumata sind, die dazu noch wechselseitig von einander abhängen. Das ist nicht nur in „The Batman“ von Matt Reeves so, sondern zieht sich durch den gesamten Bat-Kosmos. Doch Reeves – und das ist einer der vielen schönen Aspekte an seinem Film – hat den Schwerpunkt diesmal sehr auf den dunklen Ritter gelegt, der seinen Gegenspielern vielleicht noch nie so nahe war, wie hier. Batman alias Bruce Wayne hat sich von seiner Rolle als Philanthrop verabschiedet und lebt ganz für die Aufgabe, von der er selbst nicht sicher ist, ob er sie bewältigen kann: Gothman zu einem besseren Ort zu machen. Die nächtlichen „Heldentaten“ knappst er sich von Schlaf ab, was den Mann unter der Maske zu einem übermüdeten, lichtempfindlichen Geschöpf gemacht hat, einem das durchaus Fehler macht, wie man an seinem unter der Rüstung fast schmächtigem, narbenübersätem Körper sehen kann. Aber nicht nur sein Körper ist alles andere als in einem guten Zustand. Auch sein Psyche ist defekt – so schnell er manche Rätsel des Riddlers löst, so daneben liegt er an anderer Stelle –; und vermutlich ist sie, diese Helden-Psyhche, auch nicht weit entfernt von den Typen, die er jagt, was man schon daran sieht, dass mit unter die Feldermäuse mit ihm durchgehen und er wie ein wildes Tier auf seine Widersacher einprügelt.

Um noch mal darauf zurück zu kommen, dass es die Geschichte „in sich hat“. Zum einen ist das, was Reeves hier macht, toll, weil sich dieser Film noch einmal ein Stück mehr aus dem leider oft recht eng interpretierten Korsett des Superheldenfilms befreit. „The Batman“ ist Film Noir, Krimi, und ich kann nachvollziehen, warum manche an David Finchers „Zodiac“ oder „Se7en“ erinnert werden. Bei mir war es neben dem Genuss der „Schauwerte“, der tollen Bilder, das Paceing, die Musik und nicht zuletzt und für mich, etwas überraschender Weise: Robert Pattinson als Batman-Darsteller (ich dachte vorher, das passt nicht) und Paul Dano als sein Riddler-Widersacher. Die beiden sind das Zentrum des Films, erzählerisch und visuell. Nicht nur, dass der Riddler ein ähnliches Ziel verfolgt wie Batman – Gotham zu einer bessern Stadt zu machen – und dabei viel erfolgreicher vorgeht als unser „Held“ insofern, dass er sich die wirklichen wichtigen Schurken vornimmt, während Batman sich nur mit den den kleinen Ganoven abgibt und dann auch ziemlich lange im Dunkeln tappt, worum es überhaupt geht. Auch optisch sehen sich die beiden irgendwie ähnlich. Der Riddler wirklich in seinem Kostüm wie eine verzerrte, groteske Version von Batman. Und das ist er ja letztlich auch. Und dazu, zu allem Überfluss eine erfolgreichere. Bitterer wird diese Ebene des Films noch dadurch, dass es der in der Verbrechensbekämpfung äußerst erfolgreiche Killer auch noch schafft, eine (Online-)Fangemeinde um sich zu scharen. Keine Meinung ist zu abwegig, als dass sich nicht jemand fände, der sie mit vollster Überzeugung vertritt. Gotham ist eine Metapher für das Leben und seine Figuren für uns, die Menschen. Held und Schurke unterscheiden sich in diesem Spiel nur noch durch ihre Apologeten, die an den einen oder anderen glauben. Dass Batman auf richtigen Seite steht und nicht der Riddler, das wissen die Zuschauer des Film nur, weil sie eben zu der einen Seite gehören und nicht zu der anderen. Lieutenant Gordon ist so sympathisch, der wird’s schon wissen.

Mehr will ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht zu dem Film sagen. Was andere Rezipierende da für sich finden, kann ich natürlich nicht vorhersagen, aber vor dem Hintergrund des eben Geschriebenen macht „The Batman“ einer Meinung nach seine Sache ziemlich gut, und ich vermute, dass er auch andere zum denken anregen wird. Was will man mehr. Ich hatte Matt Reeves gar nicht auf dem Schirm, weil weder „Cloverfield“ noch seine Affen-Filme mochte, aber jetzt sage ich Hut ab,„The Batman“ ist wahrlich ein Film mit Vision und eines der intensivsten cineastischen Erlebnisse meiner letzen Monate, vielleicht Jahre. Der Wunsch, sich zu verwandeln, mag in uns Menschen angelegt sein und zum Teil zumindest meine Faszination für Superhelden-Filme im Allgemeinen und diesem hier im Besonderen erklären. Wohin und zu was, das lässt „The Batman“ auf so pointierte Weise offen, wie eine heftige Ohrfeige von der noch nicht klar ist, ob sie einen weckt oder taumeln lässt.

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